Kürbisse zu Halloween

Es ist in Deutschland praktisch unmöglich, nicht irgendwie durch die US-Kulturlandschaft beeinflusst zu werden. Kritiker mögen erklären, die USA haben gar keine Kultur. Dieses stimmt jedoch nicht. Sie übernehmen allerdings anscheinend absichtlich nicht die Kultur aus der alten Welt sondern entwickeln ihre eigene. Oder warum schauen die Amis keinen Fußball sondern Football und Baseball? Warum entwickeln sie eigene Speisen wie Burger oder Marshmallows? Wieso feiern sie den Karneval als Mardi Gras praktisch nur in New Orleans und legen sehr viel Wert auf Halloween? Die USA haben durchaus eine eigene Kultur aus den Mischkulturen der Einwanderer hervor gebracht. Kritisierbar wären jedoch die Kommerzialisierung zum einen sowie der amerikanische Größenwahn-Charakter zum anderen. Aber abgesehen davon haben US Bürger sehr ähnliche Freizeitinteressen wie Europäer, sie leben diese nur mit anderen Bräuchen aus sowie ihnen vielleicht hier und da der Stil und die Klasse fehlen.

Halloween erreicht eben wegen der amerikanischen Einflüsse das europäische Festland. Es stammt als Brauchtum zwar aus Irland, hat jedoch das ablehnende England nicht überwunden, um das Festland zu beeinflussen. Dass die Engländer Halloween ablehnen liegt am Interessenskonflikt der Iren und Engländer untereinander, der sich durch englische Protestanten und irische Katholiken auf religiöser Ebene weiter zuspitzt. Dieser religiöse Konflikt trägt sich in den USA damit aus, dass gläubige Protestanten Halloween häufig strickt als heidnisch sowie satanisch ablehnen. Damit haben sie nicht unrecht, würden jedoch auch bei Karneval mit dieser Begründung nicht danebenliegen. Jedoch gab es den Karneval und Fastnacht bereits vor den Protestanten in deren Entstehungsregionen, wodurch sie diese Feiern einfach übernommen haben und als ihre eigene Kultur ansehen, zumindest in Europa. Ursprünglich geht Halloween auf das heidnische Totenfest zurück, welches von den Christen als Allerheiligen geschönt wurde. Das Totenfest ist weitgehend unter gegangen aber beeinflusst noch immer die Gegenwart, am deutlichsten mit der irischen Weiterentwicklung: Halloween!

Die Iren schnitzten jedoch Rüben und keine Kürbisse, da diese erst mit der neuen Welt entdeckt wurden und erst ab 1600 in Europa kultiviert werden. Vermutlich haben die Iren ihre Rüben bereits beleuchtet. Dieser Brauch geht auf eine Sage zurück. Jack O war der Zutritt zum Himmel und zur Hölle verwehrt, er geistert mit einer leuchtenden Rübe durch die ewige Finsternis. In den USA gab es jedoch weit mehr große Kürbisse, die sich deutlich besser als Laterne eignen. Somit wurde der Brauch angepasst, blieb jedoch weitgehend erhalten. Heute geht es natürlich weniger um heidnische Geistervertreibung aber durch Allerheiligen wird noch immer der Ahnen gedacht. Letzteres hat für Halloween heute jedoch nur wenig Bedeutung, zumindest nicht in der Form von Allerheiligen. Entscheidend sind Schreckensmasken, schaurige Verkleidungen, Feuer und Lichter, leuchtende Kürbisse und gewisse Symbole zwecks Vertreibung der Geister. So war es einst, heute werden auch Geister oder Untote als Vorlagen für Dekoration verwendet, um nicht mehr die Geister sondern die Partygäste zu erschrecken.

Es gibt praktisch zwei Kernelemente zu Halloween abgesehen der düsteren Verkleidungen und Dekoelemente: Kürbislaternen und Trick or Treat, zu Deutsch „Süßes, sonst gibt´s Saures“. Die Kinder klopfen verkleidet an den Türen und erbitten Süßigkeiten. Gehen sie leer aus, rächen sie sich mit einem Streich. Geschnitzte Kürbislaternen im Außenbereich mögen etwas Arbeitsaufwändig sein, sind aber gerade für Halloween mit Kindern Pflicht. Für diese ist das Schnitzen der Kürbisse so wichtig wie die ganze Halloween-Kinderparty oder Trick or Treat!

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